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Geänderte Nutzungsdauer von Computerhardware und Software zur Dateneingabe und – verarbeitung

Mit Schreiben vom 26. Februar 2021 hat das Bundesministerium der Finanzen (BMF) die Änderung der steuerlichen Nutzungsdauer (=Abschreibung) von Computerhardware sowie Software zur Dateneingabe und –verarbeitung bekanntgegeben. Hier finden Sie einen Link zum BMF-Schreiben:

https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Steuerarten/Einkommensteuer/2021-02-26-nutzungsdauer-von-computerhardware-und-software-zur-dateneingabe-und-verarbeitung.pdf?__blob=publicationFile&v=1

Demnach kann für die in Randziffer (Rz.) 2 des BMF-Schreibens genannte Hardware sowie die in Rz. 5 genannte Software eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von einem Jahr zugrunde gelegt werden. Dies bedeutet, dass die Aufwendungen im Jahr der Anschaffung sofort gewinnmindernd berücksichtigt werden können (steuerliches Wahlrecht).

Die Regelung gilt für alle Gewinnermittlungen für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2020 beginnen, also ab dem 1. Januar 2021. Sofern die entsprechenden Wirtschaftsgüter vor dem 1. Januar 2021 angeschafft wurden und eine mehrjährige Nutzungsdauer zugrunde gelegt wurde, können diese ebenfalls im Wirtschaftsjahr 2021 voll abgeschrieben werden.

Die Regelung gilt für auch für entsprechende Wirtschaftsgüter des Privatvermögens, die zur Einkünfteerzielung verwendet werden.

Bei der Vorschrift handelt es sich um eine steuerliche Sondervorschrift. Zur handels-rechtlichen Anwendung veröffentlichte der Fachausschuss des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW) am 22.3.2021 in Form einer Sitzungsberichterstattung zur Sitzung vom 16.3.2021 seine Auffassung zu der Frage, ob diese steuerliche Regelung auch für handelsbilanzielle Abschlüsse angewendet werden kann. Demnach wurde die handelsrechtliche Anwendung des BMF-Schreibens durch das IDW verneint und führt zu einer Abweichung zwischen Handels- und Steuerbilanz.

Autor:

Mandy Taubert

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Abgabefristen, Verspätungszuschläge und Verzinsung für Steuererklärungen 2019

Abgabefrist

In § 149 Abs. 3 AO ist die Abgabefrist für Steuererklärungen geregelt sofern diese durch Angehörige der zur Steuerberatung befugten Berufe erstellt werden. Grundsätzlich endet demnach die Abgabefrist am letzten Tag des Monats Februar des übernächsten Kalenderjahres. Für Steuererklärungen des Veranlagungszeitraums 2019 hat das Bundesministerium der Finanzen durch Schreiben (koordinierter Ländererlass) vom 15.04.2021 auf Grund der COVID 19 – Pandemie diese Abgabefrist bis zum 31. August 2021 verlängert. (Für Land- und Forstwirte mit einem vom Kalenderjahr abweichenden Wirtschaftsjahr gelten verlängerte Fristen).

Für Steuerpflichtige, die ihre Steuererklärungen selbst erstellen, gilt die verlängerte Abgabefrist nicht. In diesen Fällen sind die Steuererklärungen bis zum 31. Juli des Folgejahres (bis Veranlagungszeitraum 2017 war dies der 31. Mai) einzureichen. Für den Veranlagungszeitraum 2019 war dies der 31. Juli 2020.

Anzumerken ist, dass diese Fristen nicht für Steuererklärungen gelten, die vorab vom Finanzamt angefordert wurden.

Verspätungszuschläge

Verspätungszuschläge werden vom Finanzamt gemäß § 152 Abs. 2 AO von Amts wegen festgesetzt sofern eine Erklärungssäumnis des Steuerpflichtigen im Sinne des § 152 Abs. 1 AO vorliegt. Die zwingende Festsetzung von Verspätungszuschlägen gilt gemäß § 152 Abs. 3 AO nicht, wenn:

-Fristverlängerung durch das Finanzamt gemäß § 109 AO gewährt wurde

-die festgesetzte Steuer Null beträgt oder negativ ist

-die festgesetzte Steuer entspricht den geleisteten Vorauszahlungen oder liegt darunter.

Die Höhe der Verspätungszuschläge beträgt 0,25 v. H. der festgesetzten Steuer pro angefangen Monat der verspäteten Abgabe, mindestens 10,00 Euro pro angefangen Monat.

Sofern es sich um Steuererklärungen handelt, die sich auf ein Kalenderjahr beziehen (wie z. B. die Einkommensteuer) wird der Verspätungszuschlag aus der festgesetzten Steuer abzüglich der festgesetzten Vorauszahlungen sowie abzüglich der anzurechnenden Steuerabzugsbeträge berechnet und beträgt mindestens 25,00 Euro pro angefangen Monat.

Der Verspätungszuschlag ist auf volle Euro abzurunden und darf 25.000,00 Euro nicht übersteigen.

Verzinsung

Die Verzinsung gemäß § 233a AO i. V. m. Artikel 97 § 36 Abs. 2 EGAO von Nachzahlungen zur Einkommen- und Körperschaftsteuer 2019 beginnt am 1. Oktober 2021. Die Zinsen betragen 0,5 v. H. pro vollen Monat. Dies entspricht einem Jahreszinssatz von 6 v. H.

Für die Berechnung der Zinsen wird der zu verzinsende Betrag jeder Steuerart auf den nächsten durch 50 Euro teilbaren Betrag abgerundet.

Beispiele:

 Beispiel 1Beispiel 2Beispiel 3
Beispiel VerspätungszuschlagEuroEuroEuro
festgesetzte Einkommensteuer 2019 27.500,00253.600,00 7.500,00
abzüglich Vorauszahlungen-19.000,00-50.800,00-19.000,00
Bemessungsgrundlage Verspätungszuschlag 8.500,00202.800,00-11.500,00
  
daraus 0,25 v. H. pro angefangenen Monat der verspäteten Abgabe 21,25 507,00 0,00
 
  
mindestens jedoch pro ange-fangenen Monat
der verspäteten Abgabe
25,00 ./. ./.
 
    
 Beispiel 1Beispiel 2Beispiel 3
Beispiel VerzinsungEuroEuroEuro
festgesetzte Einkommensteuer 2019 27.598,00275.980,00 7.500,00
abzüglich Vorauszahlungen -19.000,00 -50.800,00-19.000,00
Bemessungsgrundlage Verzinsung 8.598,00225.180,00-11.500,00
  
Abrundung auf den nächsten 171,96 4.503,60 -230,00
durch 50 teilbaren Betrag 171,00 4.503,00 -230,00
x 50 = Bemessungsgrundlage Zinsen 8.550,00225.150,00-11.500,00
  
daraus 0,5 v. H. pro vollen Monat bis zur Steuerfestsetzung 42,99 1.125,90 -57,50
 
    

Autor:

Mandy Taubert

H & E Steuerberatungsgesellschaft mbH

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Steuerermäßigung für energetische Maßnahmen

bei zu eigenen Wohnzwecken genutzten Gebäuden gemäß § 35c EStG

Durch Gesetz vom 21.12.2019 wurde im Einkommensteuergesetz der neue § 35c EStG eingeführt. Dieser beinhaltet die Förderung von energetischen Baumaßnahmen, die der Steuerpflichtige an einem zu eigenen Wohnzwecken genutzten Gebäude (=begünstigtes Objekt) durchführt. Bei der Förderung handelt es sich um eine Ermäßigung der tariflichen Einkommensteuer.

Was sind energetische Maßnahmen im Sinne des § 35c EStG?

Die Definition der energetischen Maßnahmen wurde durch den Gesetzgeber in § 35c Absatz 1 Satz 3 EStG geregelt. Demnach fallen unter diese Vorschrift die folgenden Maßnahmen:

  1. Wärmedämmung von Wänden
  2. Wärmedämmung von Dachflächen
  3. Wärmedämmung von Geschossdecken
  4. Erneuerung der Fenster oder Außentüren
  5. Erneuerung oder Einbau einer Lüftungsanlage
  6. Erneuerung der Heizungsanlage
  7. Einbau von digitalen Systemen zur energetischen Betriebs- und Verbrauchsoptimierung
  8. Optimierung bestehender Heizungsanlagen, sofern diese älter als zwei Jahre sind.

Gemäß § 35c Absatz 1 Satz 4 EStG zählen zu den förderfähigen Maßnahmen außerdem auch Aufwendungen für:

  • die Erteilung der Bescheinigung nach § 35c Absatz 1 Satz 7 EStG (=Kosten für vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) als fachlich qualifiziert zum Förderprogramm „Energieberatung für Wohngebäude“ zugelassene Energieberater, wenn dieser durch den Steuerpflichtigen mit der planerischen Begleitung oder Beaufsichtigung der energetischen Maßnahmen beauftragt worden ist.

Welche Voraussetzungen müssen für die Steuerermäßigung erfüllt sein?

Die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme der Steuerermäßigung sind in § 35c EStG wie folgt geregelt:

  1. Das begünstigte Objekt muss in der Europäischen Union EU oder im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR= Norwegen, Island und Lichtenstein) belegen sein.
  2. Die Nutzung des Objekts muss zu eigenen Wohnzwecken erfolgen. Eine Nutzung zu eigenen Wohnzwecken ist auch gegeben, wenn Teile einer zu eigenen Wohnzwecken genutzten Wohnung unentgeltlich an andere Personen als den Steuerpflichtigen zur Nutzung überlassen werden.
  3. Das begünstigte Objekt muss bei der Durchführung der energetischen Maßnahme älter als 10 Jahre sein. Maßgebend für den Beginn dieser Frist ist der Herstellungsbeginn bei Bau des Objekts.
  4. Beginn der energetischen Maßnahme muss nach dem 31.12.2019 und Abschluss vor dem 1.01.2030 sein (also alle Baumaßnahmen, die vom 01.01.2020 beginnen und bis 31.12.2029 abgeschlossen sind).
  5. Die Maßnahmen müssen von einem zugelassenen Fachunternehmen ausgeführt werden.
  6. Das Fachunternehmen muss dem Steuerpflichtigen eine entsprechende Bescheinigung nach amtlich vorgeschriebenen Muster ausstellen.
  7. Der Steuerpflichtige muss eine Rechnung erhalten haben, die neben den üblichen Anforderungen an eine Rechnung den folgenden Inhalt haben muss:
    • die Bezeichnung der förderfähigen energetischen Maßnahmen
    • die Arbeitsleistung des Fachunternehmers
    • die Adresse des begünstigten Objekts
    • die Rechnung muss in deutscher Sprache verfasst sein.
  8. Die Zahlung der Rechnung muss unbar, also per Überweisung auf ein Konto des Fachunternehmers erfolgen. Barzahlungen werden damit ausdrücklich nicht gefördert.
  9. Die energetische Maßnahme muss abgeschlossen sein (bei jahresübergreifenden Arbeiten, z. B. Beginn der Wärmedämmung von Wänden im Dezember 2021 und Abschluss der Maßnahme im Januar 2022 wird die Steuerermäßigung erst im Jahr 2022 gewährt.
  10. Der Steuerpflichtige muss beim zuständigen Finanzamt einen Antrag mit seiner Steuererklärung stellen.

Ist die Steuerermäßigung begrenzt?

Die Steuerermäßigung ist auf einen Höchstbetrag in Höhe 40.000 EUR pro begünstigtes Objekt begrenzt. Bei der Steuerermäßigung (und damit der Begrenzung) handelt es sich um den Steuerminderungsbetrag nicht um die Höhe der Kosten für die Maßnahmen.

Was führt grundsätzlich zum Ausschluss der Förderung?

Die Förderung ist gemäß § 35c Absatz 3 EStG unter den in dieser Vorschrift genannten Voraussetzungen ausgeschlossen. Im Einzelnen sind dort folgende Punkte aufgeführt:

  1. Die Aufwendungen dürfen keine Betriebsausgaben oder Werbungskosten in anderen Einkunftsarten sein (z. B. Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer).
  2. Wenn die Maßnahmen Aufwendungen im Sinne des § 10f EStG (=Steuerbegünstigung für Denkmalaufwendungen für eigengenutzten Wohnraum) sind, ist eine Förderung nicht möglich.
  3. Ebenso entfällt die Förderung, wenn für die Aufwendungen Steuerermäßigungen gemäß § 35a EStG (=haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen) in Anspruch genommen werden.
  4. Sofern steuerfreie Zuschüsse gewährt oder zinsverbilligte Darlehen für öffentlich geförderte Maßnahmen in Anspruch genommen werden ist die Steuerermäßigung ebenfalls ausgeschlossen.

Wie wird die Förderung bei mehreren Eigentümern ermittelt?

Sind mehrere Personen Eigentümer des begünstigten Objekts, so kann die Steuerermäßigung insgesamt nur einmal in Anspruch genommen werden (§35c Absatz 6 Satz 1 EStG). Das bedeutet, dass jeder Eigentümer, auf den die Voraussetzungen zutreffen, die Förderung entsprechend seinem Eigentumsanteil am begünstigten Objekt erhält.

Aus welcher Bemessungsgrundlage berechnet sich die Steuerermäßigung?

Die Bemessungsgrundlage für die Steuerermäßigung bilden die begünstigten und abgeschlossenen energetischen Maßnahmen.

Wie hoch ist die Steuerermäßigung?

Die Steuerermäßigung beträgt im Jahr des Abschlusses und im Folgejahr 7% der Bemessungsgrundlage (höchstens 14.000 EUR) sowie im dritten Jahr 6% der Bemessungsgrundlage (höchstens 12.000 EUR). Soweit Aufwendungen für einen Energieberater anfallen vermindert sich die Einkommensteuer um 50% der Aufwendungen, die für diesen angefallen sind.

Beispiel:

Der Steuerpflichtige A ist Alleineigentümer eines im Jahr 1998 erbauten Einfamilienhauses in Dresden, das er selbst bewohnt. Im November 2020 hat A einen für die Durchführung von energetischen Maßnahmen zugelassenen Fachunternehmer beauftragt, die Hauseingangstür und die Fenster für 15.000 EUR sowie die Heizungsanlage für 20.000 EUR zu erneuern. Im Jahr 2021 folgte die Wärmedämmung von Wänden für 150.000 EUR sowie der Einbau einer Lüftungsanlage für 45.000 EUR. Anschließend ließ A noch das Parkett für 10.000 EUR aufbereiten. Alle Baumaßnahmen wurden im März 2021 abgeschlossen. Der Fachunternehmer rechnete alle Baumaßnahmen ordnungsgemäß ab und fügte der Rechnung eine entsprechende Bescheinigung über Durchführung der energetischen Maßnahmen bei. A überwies den Gesamtbetrag auf ein Konto des Fachunternehmers und beantragte in seiner Einkommensteuererklärung 2021 die Steuerermäßigung gemäß § 35c EStG. Die tarifliche Einkommensteuer des Steuerpflichtigen A soll aus Darstellungsgründen 65.000 EUR betragen.

Prüfung Voraussetzungen:

  • Dresden = Deutschland = Mitglied der EU
  • Nutzung zu eigenen Wohnzwecken
  • Baujahr des Einfamilienhauses: 1998 = älter als 10 Jahre im Jahr 2020 und 2021
  • Maßnahmen werden nach dem 31.12.2019 begonnen und vor dem 31.12.2029 abgeschlossen
  • ordnungsgemäße Rechnung liegt vor, Zahlung erfolgte unbar per Überweisung
  • Bescheinigung des Fachunternehmers liegt vor
  • Förderung für alle Maßnahmen erst ab 2021, da die in 2020 beauftragten Maßnahmen erst in 2021 abgeschlossen wurden
  • keine Förderung der Parkettaufbereitung, da dies keine Maßnahme ist, die in § 35c EStG genannt ist, alle anderen Aufwendungen fallen unter die Förderung
  • A hat einen entsprechenden Antrag gestellt.

Bemessungsgrundlage (BMGL)

energetische Maßnahme:  
Fenster und Außentür15.000,00EUR
Heizungsanlage20.000,00EUR
Wärmedämmung von Wänden150.000,00EUR
Lüftungsanlage45.000,00EUR
Summe = Bemessungsgrundlage230.000,00EUR

Ermittlung der Steuerermäßigung

BMGL = 230.000 EUR x 7% in 2021 und 202216.100,00EUR
begrenzt auf  jeweils 14.000 EUR14.000,00EUR
BMGL = 230.000 EUR x 6% in 202313.800,00EUR
begrenzt auf 12.000 EUR12.000,00EUR

Darstellung der Steuerentlastung

EUREUREUREUR
Veranlagungsjahr202120222023Summe 2021-2023
Steuer vor Steuerermäßigung nach § 35c EStG65.000,0065.000,0065.000,00195.000,00
abzüglich Steuerermäßigung-14.000,00-14.000,00-12.000,00-40.000,00
an das Finanzamt zu zahlen nach Ermäßigung51.000,0051.000,0053.000,00155.000,00

Der Steuerpflichtige A spart somit in den Veranlagungsjahren 2021-2023 insgesamt 40.000 EUR Steuern. Weitere Aufwendungen für energetische Maßnahmen kann er nicht geltend machen, da er den Förderhöchstbetrag in Höhe von 40.000 EUR für sein Einfamilienhaus bereits erreicht hat.

Autor: Mandy Taubert

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Förderung Mietwohnungsneubau

Sonderabschreibungen für Mietwohnungsneubau gemäß § 7b EStG

Gemäß § 7b Abs. 1 Satz 1 EStG können für Mietwohnungsneubauten, die in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union belegen sind, in den Veranlagungszeiträumen 2018 bis einschließlich 2026 (vgl. § 52 Abs. 15a Satz 1 EStG) neben der planmäßigen Absetzung für Abnutzung gemäß § 7 Abs. 4 EStG unter bestimmten Voraussetzungen Sonderabschreibungen in Anspruch genommen werden.

Was ist ein Mietwohnungsneubau?

Nach dieser Vorschrift entsteht ein Mietwohnungsneubau dann, wenn durch Baumaßnahmen auf Grund eines nach dem 31. August 2018 und vor dem 1. Januar 2022 gestellten Bauantrags oder einer in diesem Zeitraum getätigten Bauanzeige neuer, bisher noch nicht vorhandener Wohnraum angeschafft oder hergestellt wird.

Im Fall der Anschaffung ist eine Wohnung im Sinne dieser Vorschrift neu, wenn sie bis zum Ende des Jahres der Fertigstellung angeschafft, d. h. gekauft wird (vgl. § 7b Abs. 1 Satz 2 EStG). In diesem Fall können die Sonderabschreibungen nur vom Anschaffenden (Käufer) in Anspruch genommen werden.

Was ist eine Wohnung?

Die Voraussetzungen des § 181 Abs. 9 BewG, in dem geregelt ist, was eine Wohnung im Sinne der deutschen Gesetzgebung ist, sind zu beachten (vgl. § 7b Abs. 2 Nr. 1 EStG). Zusammengefasst ist eine Wohnung eine abgeschlossene Wohneinheit, die einen selbständigen Zugang hat und von anderen Wohnungen baulich getrennt ist. Die Wohnfläche der Wohnung muss mindestens 23 m² betragen und es müssen Küche, Bad oder Dusche sowie Toilette vorhanden sein. Nebenräume sind einzubeziehen.

Welche weiteren Voraussetzungen müssen für die Inanspruchnahme erfüllt sein?

Die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme sind in § 7b Abs. 2 EStG geregelt. Demnach gilt Folgendes:

  • Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten dürfen 3.000 EUR pro m² nicht übersteigen. Wenn diese Grenze überschritten ist, kann keine Sonderabschreibung in Anspruch genommen werden.
  • Die Wohnung muss im Jahr der Anschaffung oder Herstellung und in den folgenden 9 Jahren entgeltlich zu Wohnzwecken vermietet sein. Eine unentgeltliche Überlassung des Wohnraums ist schädlich, ebenso die Vermietung zur vorübergehenden Beherbergung von Personen.
  • Die Wohnungen müssen in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union belegen sein.

Aus welcher Bemessungsgrundlage berechnet sich die Sonderabschreibung?

Die Bemessungsgrundlage für die Sonderabschreibung bilden die begünstigten Anschaffungs- oder Herstellungskosten bis zu einer Höhe von maximal 2.000 EUR pro m² Wohnfläche.

Wie hoch sind die Sonderabschreibungen?

Die Sonderabschreibung beträgt im Jahr der Anschaffung oder Herstellung und in den folgenden 3 Jahren 5% der Bemessungsgrundlage zusätzlich zu der planmäßigen Absetzung für Abnutzung gemäß § 7 Abs. 4 EStG.

Wann und wie ist die Sonderabschreibung rückgängig zu machen?

Die Sonderabschreibung ist in den entsprechenden Veranlagungsjahren rückgängig zu machen, wenn:

  • die Überlassung der Wohnung im Jahr der Anschaffung oder Herstellung und in den folgenden 9 Jahren nicht entgeltlich zu Wohnzwecken vermietet wird
  • die Wohnung im Jahr der Anschaffung oder Herstellung und in den folgenden 9 Jahren verkauft wird und der Veräußerungsgewinn nicht der Einkommen- oder Körperschaftsteuer unterliegt
  • die Baukosten innerhalb der ersten 3 Jahre nach Ablauf des Jahres der Anschaffung oder Herstellung durch nachträgliche Anschaffungs- oder Herstellungskosten überschritten werden.

Die Vorschriften zur Rückgängigmachung der Sonderabschreibung regelt § 7b Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 bis 3 EStG, die daraus folgende Änderung der Steuer- und Feststellungsbescheide in den entsprechenden Veranlagungs-zeiträumen werden durch § 7b Abs. 4 Satz 2 und 3 EStG bestimmt.

Gibt es weitere Ausschlusskriterien zu Inanspruchnahme der Sonderabschreibungen?

Eine weitere Voraussetzung ist in § 7b Abs. 5 EStG geregelt. Danach kann die Sonderabschreibung nur in Anspruch genommen werden, soweit die Voraussetzungen der EU-Verordnung Nr. 1407/2013 der Kommission vom 18. Dezember 2013 zur Anwendung der Artikel 107 und 108 des Vertrages über die Arbeitsweise der EU auf De-minimis-Beihilfen eingehalten sind.

Was bedeutet dies?

Dieses Ausschlusskriterium trifft nur zu, wenn ein Unternehmen Beihilfen der EU (sogenannte De-minimis-Beihilfen) erhalten hat. Hierbei darf die Summe aller Beihilfen innerhalb von 3 Veranlagungszeiträumen (*1) für ein Unternehmen den Betrag von 200.000 EUR nicht übersteigen. Dabei sind alle erhaltenen De-minimis-Beihilfen zusammen zu rechnen, dies unabhängig von ihrer Art und Zielsetzung.

(*1) Es wird bei Inanspruchnahme der Sonderabschreibung jeweils auf den laufenden und die beiden vorangegangen Veranlagungszeiträume abgestellt.

Beispiel:         

Privatperson A stellt in Leipzig in 2021 neuen Wohnraum her. Die neue Wohnfläche beträgt 300 m² und umfasst 3 Wohnungen a´ 100 m², die entgeltlich an Dritte vermietet werden sollen.      Die Herstellungskosten betragen insgesamt 800.000 EUR. Der Bauantrag wurde am 25.07.2019 gestellt. Die Fertigstellung erfolgte am 01.03.2021.

Prüfung Voraussetzungen:    

  • Leipzig = Deutschland = Mitglied der EU                                                   
  • es entsteht neuer Wohnraum                                                         
  • Bauantrag am 25.07.2019 (=nach dem 31.08.2018 und vor dem 01.01.2022 gestellt)
  • die Vermietung erfolgt entgeltlich zu Wohnzwecken                                            
  • Herstellungskosten = 800.000 EUR : 300 m² = 2.667 EUR pro m²

= die Baukostenobergrenze von 3.000 EUR pro m² wurde eingehalten 

Bemessungsgrundlage (BMGL)

Herstellungskosten pro m² 2.667,00 EUR
maximal förderfähige Kosten pro m² 2.000,00 EUR

Ermittlung der Sonderabschreibung

BMGL = 300 m² x 2.000 EUR -> 600.000,00 EUR
davon 5% Sonderabschreibung -> 30.000,00 EUR

Die Sonderabschreibung ist in Höhe von 30.000 EUR jeweils in den Jahren 2021, 2022, 2023 und 2024 vorzunehmen.

Lineare Absetzung für Abnutzung

Zusätzlich zur Sonderabschreibung ist im Förderzeitraum die Absetzung für Abnutzung nach § 7 Abs. 4 EStG mit 2% jährlich vorzunehmen. Für das Jahr 2021 erfolgt diese Abschreibung zeitanteilig ab dem 01.03.2021 = Fertigstellung mit 10 – zwölftel der Jahresabschreibung (800.000 EUR x 2% : 12 Monate x 10 Monate = 13.334 EUR). Ab 2022 beträgt die Absetzung für Abnutzung 16.000 Euro jährlich.

Autor: Mandy Taubert

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